Beim meiner Yogapraxis liebe ich es mit der Musik im Flow zu sein und die Yogabewegungen mit der Musik zu verbinden. Ich finde, dass die passende Musik die Wirkungen der Asanas noch verstärken kann. Esh Loh hat das erkannt und nach einer Krebserkrankung Tāla Yoga entwickelt.

Er ist Pianist, Komponist und Yogalehrer. Er hat über 10 Jahre lang Ashtanga Yoga praktiziert bevor er mit Tāla Yoga ein Yogasystem geschaffen hat, bei dem die Atmung und Bewegungen mit einer von ihm komponierten Musik verbunden wird. Sein Yogastil berührt mich sehr und ich freue mich daher riesig, dass er mit im Interview die Besonderheiten von Tāla Yoga erklärt. Einen ersten Eindruck bekommt ihr hier:

Interview mit Esh Loh

Wie bist du dazu gekommen Tāla Yoga zu entwickeln?

Tāla Yoga entstand aus meiner intensiven Beschäftigung mit Musik und Yoga. Als 2008 bei mir Krebs diagnostiziert wurde, habe ich beide Themen zusammengebracht. Zu dem Zeitpunkt der Diagnose hatte ich schon 10 Jahre traditionelles Ashtanga Yoga praktiziert und war physisch in Höchstform. Umso überraschender kam die Krankheit in mein Leben und forderte mich zur Selbstreflexion auf.
Ich begann Klaviermusik zu komponieren und entdeckte das Musik und Yoga viele Gemeinsamkeiten haben und beides spirituelle Praktiken sind, die der Mensch als Werkzeug für die persönliche Entwicklung nutzten kann. Die Symbiose von Musik und Yoga ist sehr heilsam für mich und berührt viele Menschen.

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Wofür steht der Begriff Tāla?

Tāla bedeutet wörtlich übersetzt Rhythmus, rhythmisches Muster oder die musikalische Zeit. Wie alle Sanskritbegriffe hat auch Tāla mehrere Bedeutungen. Mit Tāla wird auch die essentielle Natur oder Seele beschrieben, so wie sie in allem und allen Wesen vorhanden ist. Tāla = Ursache, Herkunft, Motiv, die Wurzel oder Samen von Ereignissen.

Was ist das Besondere an Tāla Yoga, inwiefern unterscheidet es sich von anderen Yogastilen?

Die Tāla Yoga Praxis wird zu einer eigens von mir komponierten Musik ausgeführt. Diese Musik ist die Grundlage für eine gleichmässige Ein- und Ausatmung, unabhängig davon ob eine lange oder kurze Bewegung bzw. eine leichte oder schwere Position ausgeführt wird. Durch die achtsame Beobachtung der Atmung, kann der Übende ganz im Moment ankommen und es entsteht innere Ruhe und Gelassenheit.

Die Idee der Tāla Yoga Praxis basiert auf der Erkenntnis, dass es nicht darum geht was wir üben, sondern einzig und allein wie Yoga geübt wird. Die Qualität der Atmung steht im Mittelpunkt der Praxis und legt die Qualität der Asana fest.

Ich sehe diese Praxis als die Weiterentwicklung des traditionellen Ashtanga Vinyasa Yoga. Die Tāla Yoga Sequenzen sind ganz systematisch nach dem Grundsatz: vom Möglichen zum Unmöglichen aufgebaut. Die Übungen sind so strukturiert das alle Bewegungsrichtungen der Wirbelsäule angesprochen werden. Die Serien sind flexibel und passen sich den Bedürfnissen des Übenden an. Auch beinhaltet die Praxis das Wechelsspiel von dynamischen und statischen Körperübungen.

Welche Rolle spielen Klang und Rhythmus bei der Yogapraxis?

Beim Tāla Yoga steht die rhythmisch gleichmässige Ein- und Ausatmung im Mittelpunkt. Die sogenannten Yoga-Tālas sind sich wiederholende Musikstücke, die den Übenden beim Yoga darin unterstützen gleichmässig und achtsam zu Atmen, einfach ganz im Moment zu sein. Auch wird der Übende dahin unterstützt dem Klang seines Atems zuzuhören.
Die Yoga-Tālas sind ein intuitives Hilfsmittel ganz bei der Atmung und den Übungen zu sein, denn sobald Atem und Bewegung nicht mehr mit der Musik synchron sind, führt die Musik den Übenden wieder zu seinem gleichmäßigen Atem zurück.
Das ganze Leben besteht aus Rhythmen. Geburt – Tod, Einatmung – Ausatmung, Tag – Nacht, Ebbe – Flut usw. bestimmen unser Leben.
Der Rhythmus der Yoga-Tālas hat das Tempo des natürlichen Ruhepulses unseres Herzschlags.
Wenn wir in diesem Tempo üben, hat dies einen beruhigenden Effekt auf unseren Geist und die Bewegungen werden harmonisch. Denn das Ziel der Menschen, der Natur an sich ist das streben nach Harmonie. Was gibt es harmonischeres als berührende Klaviermusik?

Was inspiriert dich zu deinen Klavier-Kompositionen?

Stille und Meditation inspiriert mich am meisten, denn Stille ist die Grundlage von Musik, Klang und auch Lärm.
Um es mit einem Aphorismus von Robert Fripp auszudrücken:
Musik ist das Gefäß, das den Wein der Stille enthält;
Klang ist dieses Gefäß, aber leer;

Lärm ist dieses Gefäß, wenn er zerbrochen ist.

(Robert Fripp)

Meine Aufgabe als Komponist ist es aus der Stille eine Skulptur, ein Gefäß in Form von Musik zu erschaffen. Diesen Prozess des Entstehens von Musik aus der Stille im Moment geniesse ich sehr.

Herzlichen Dank für dieses Interview!

Bei diesem Video bekommt ihr einen tollen Eindruck von den Klavierkompositionen von Andreas Loh, es wurde beim Yoga meets Music Festival auf Sylt 2014 aufgenommen:

 

Namasté,
deine Stefanie

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