Teenyoga kann jungen Menschen helfen, ihren Körper bewusster wahrzunehmen, mit Stress und starken Emotionen umzugehen und mehr Vertrauen in sich selbst zu entwickeln. Denn die Pubertät bringt vieles in Bewegung: Der Körper verändert sich, die Hormone spielen eine neue Rolle und auch im Gehirn findet ein großer Umbau statt. Gleichzeitig werden Freunde und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe wichtiger. Dazu kommen schulischer Leistungsdruck, Prüfungen und Fragen wie: Wer bin ich eigentlich? Wo gehöre ich dazu? Und bin ich richtig, so wie ich bin?

Ich erlebe diese Zeit gerade selbst sehr unmittelbar als Mama von zwei Teenagern. Gleichzeitig begleite ich Kinder und Jugendliche schon seit vielen Jahren als Yogalehrerin und habe Teenyoga sowohl in Schulen als auch im Yogastudio unterrichtet.

Dabei erlebe ich immer wieder: Yoga für Jugendliche kann in dieser besonderen Lebensphase viel mehr sein als Bewegung oder ein Ausgleich zu anderen Sportarten. Denn beim Teenyoga geht es nicht um Selbstoptimierung. Es geht um Selbstwahrnehmung, Selbstannahme und darum, einen guten Umgang mit dem eigenen Körper, mit Stress und starken Emotionen zu entwickeln.

Den veränderten Körper neu kennenlernen

Innerhalb weniger Jahre entwickelt sich der kindliche Körper zum erwachsenen Körper. Jugendliche wachsen, die Körperformen verändern sich und manchmal macht sich das Wachstum auch durch ein Ziehen oder Schmerzen in den Knien und anderen Gelenken bemerkbar.

Yoga kann hier zunächst auf der körperlichen Ebene guttun. Doch mindestens genauso wichtig ist etwas anderes: Jugendliche bekommen die Gelegenheit, ihren Körper bewusst wahrzunehmen. Wie fühlt er sich gerade an? Wo spüre ich Anspannung? Was tut mir gut?

Diese Verbindung zum eigenen Körper kann besonders in einer Zeit wertvoll sein, in der sich das Aussehen stark verändert und sich die Jugendlichen häufig sehr kritisch betrachten.

Teenyoga für Selbstwahrnehmung statt Selbstoptimierung

Hinzu kommt, dass Jugendliche heute viele Bilder von Körpern und Gesichtern über Social Media sehen. Fotos und Videos können gefiltert, bearbeitet oder inszeniert sein. Wer sich damit vergleicht, kann schnell das Gefühl bekommen: Ich bin nicht schön genug. Ich bin nicht gut genug. Ich bin nicht richtig, so wie ich bin.

Beim Yoga geht es nicht darum, einem solchen Ideal näherzukommen. Im Gegenteil: Jugendliche dürfen üben, ihren Körper zunächst einmal wahrzunehmen, ohne ihn ständig zu bewerten. Die Aufmerksamkeit richtet sich für eine Weile nicht darauf, wie etwas aussieht oder wie andere einen sehen. Stattdessen geht es darum, selbst zu spüren: Wie geht es mir eigentlich gerade?

Mit Stress und starken Emotionen umgehen lernen

Auch emotional verändert sich in der Pubertät viel. Stimmungen können schnell wechseln. Freude, Wut, Unsicherheit oder Überforderung liegen manchmal nah beieinander. Gleichzeitig beschäftigen die Jugendlichen viele Fragen rund um die eigene Identität und auch in der Schule kann der Druck zunehmen. Referate, Prüfungen oder der bevorstehende Schulabschluss lösen nicht selten Stress, Nervosität und Ängste aus.

Yoga für Jugendliche kann einen Raum schaffen, in dem solche Erfahrungen aufgegriffen werden. Dabei geht es zunächst darum, wahrzunehmen, was überhaupt passiert: Wie fühlt sich Stress an? Wo spüre ich Anspannung in meinem Körper? Was passiert mit mir, wenn meine Emotionen sehr stark werden?

Erst wenn Jugendliche diese Signale kennenlernen, können sie auch entdecken, was ihnen in solchen Momenten hilft.

Atemübungen können im Alltag unterstützen

Eine Möglichkeit dafür ist der bewusste Atem. Atemübungen können dabei helfen, Sorgen und Ängste zu reduzieren und aus einem angespannten Zustand wieder mehr in die Entspannung zu kommen. Auch wenn das Einschlafen schwerfällt oder sich der Schlafrhythmus in der Pubertät verändert, kann der Atem eine hilfreiche Unterstützung sein.

Für mich ist dabei entscheidend, dass Jugendliche nicht nur während der Yogastunde entspannen. Sie lernen Übungen kennen, auf die sie auch in ihrem Alltag zurückgreifen können, beispielsweise vor einem Referat, bei Nervosität oder wenn gerade alles zu viel wird.

So kann Yoga nach und nach die Selbstregulation unterstützen: Jugendliche nehmen bewusster wahr, wie es ihnen geht, und lernen Möglichkeiten kennen, mit Anspannung und starken Emotionen umzugehen.

Warum Teenyoga kein Yoga für Erwachsene ist

Teenyoga ist nicht einfach eine Yogastunde für Erwachsene mit jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Jugendliche befinden sich in einer besonderen Übergangsphase: Sie sind keine Kinder mehr, aber auch noch nicht erwachsen. Das sollte sich auch in den Yogastunden widerspiegeln.

Sie sollen erfahren: es wird keine bestimmte Leistung von ihnen erwartet. Es gibt keine Noten und keinen Wettbewerb. Sie dürfen sich bewegen, unabhängig davon, wie sportlich sie sind oder welche Bewertungen sie sonst vielleicht im Sportunterricht erleben.

Natürlich kann es schön sein, eine bestimmte Yogaübung zu lernen oder eigene Fortschritte zu bemerken. Der Fokus liegt jedoch auf der Selbst- und Körperwahrnehmung.

Gleichzeitig darf eine Teenyogastunde Spaß machen. Raum für Humor und Leichtigkeit ist wichtig und natürlich darf gelacht werden. So entsteht ein Raum, in dem Jugendliche gemeinsam etwas erleben dürfen, ohne sich miteinander messen zu müssen.

Mehr über Teenyoga im Yogastern Podcast hören

Im Yogastern Podcast findest Interviews und Impulse rund um das Thema Yoga, darunter auch diese Folge zum Thema Teenyoga:

Teenyoga selbst unterrichten

Falls du lernen möchtest, Jugendliche selbst zu unterrichten, findest du in der Yogastern Akademie dazu die passende Weiterbildung. Darin geben mein Team und ich unser Fachwissen und unsere Expertentipps an dich weiter, damit du die Jugendliche wirklich erreichen und stärken kannst. Die Weiterbildung richtet sich an Yogalehrende und alle, die pädagogisch oder therapeutisch mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, beispielsweise in Kindergarten, Schule oder Physiotherapie.

Hier findest du alle Informationen zur Teenyoga Weiterbildung.

Im Yogastern Studio in Wiesbaden bieten wir auch einen Yogakurs für Jugendliche an (Probestunde jederzeit möglich) und auf der Yogastern Akademie findest du zudem weitere Angebote wie den Teenyoga Inspirations Workshop.

Teenyoga Inspirationen auf dem Yogastern Blog

Solltest du Lust zum Weiterlesen haben, empfehle ich dir einen Blick auf den Yogastern Blog. Dort gibt auch Artikel rund um das Thema Teenyoga und Kinderyoga, darunter diese hier:

Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Jugendliche durch Yoga ihre Gefühle besser kennenlernen und herausfinden dürfen, was ihnen guttut.

Herzensgrüße,
Deine Stefanie

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