Kinderyoga ist wichtiger denn je: Kinder wachsen in einer Welt auf, die immer schneller, lauter und reizintensiver wird. Schule, Medien, Termine und Leistungsdruck begleiten viele schon in jungen Jahren. Kinderyoga ist dazu ein wertvoller Ausgleich. Es bietet Kindern einen Raum, in dem sie sich bewegen dürfen, zur Ruhe kommen, ihre Emotionen spüren und spielerisch lernen, mit ihrem Körper und ihrem Atem umzugehen. Nicht perfekt, nicht leistungsorientiert, sondern mit Freude, Fantasie und Leichtigkeit.

In meinem Podcast durfte ich dazu einen wundervollen Austausch mit Harriet Tinnacher führen. Gemeinsam sprechen wir darüber, wie Kinderyoga wirkt, warum es sich so sehr vom Erwachsenenyoga unterscheidet und wie kleine Rituale im Alltag schon Großes bewirken können.

Herzensthema Kinderyoga

Liebe Harriet, ich freue mich sehr, dass wir über Kinderyoga sprechen. Für mich ist das seit über 15 Jahren ein Herzensthema – seit ich Mutter geworden bin. Ich habe meine Kinderyoga-Fortbildung 2011/2012 gemacht und bilde seit vielen Jahren selbst aus. Wie hat es bei dir angefangen?

Danke, dass ich da sein darf. Ich bin Mama von drei Mädchen. Sie haben mich bei meiner Yoga-Praxis beobachtet, sich Matten neben mich gelegt und einfach mitgemacht. In der Corona-Zeit haben wir viel zu Hause Yoga gemacht – und da wurde mir klar: Es darf viel spielerischer sein. Nicht Perfektion, sondern Freude, damit Kinder sagen: „Wann können wir wieder Yoga machen?“

Ich erlebe auch im Studio: Kinderyoga ist anders als Erwachsenenyoga – spielerischer, lebendiger, voller Fantasie. Warum ist es so wichtig, Yogastunden kindgerecht anzupassen?

Korrekturen fallen weg, Spaß steht im Vordergrund. Es geht um Verbindung, Vertrauen und die Botschaft: „Ich bin genau richtig, so wie ich bin.“ Und wir brauchen als Yogalehrende Flexibilität, weil Kinder ihre Emotionen direkt mitbringen, denn manchmal läuft es ganz anders als geplant.

Ja, Kinder sagen offen, was sie denken, stellen Fragen und das macht es lebendig, aber auch herausfordernder. Was sollte jemand mitbringen, um Kinderyoga zu unterrichten?

Offenheit und echtes Interesse am Kind. Außerdem hilft es, gut mit sich verbunden zu sein. Leichtigkeit, Freude – und die Fähigkeit, die eigene Ansicht zurückzunehmen. Wir können viel von Kindern lernen. Und: Es braucht nicht immer eine ganze Yogastunde, kleine „Yoga Snippets“ im Alltag wirken schon.

Das liebe ich auch: Kinder mitgestalten zu lassen, ihre Kreativität zu sehen und gleichzeitig als Yogalehrerin flexibel zu bleiben im Ablauf. Welche einfachen Übungen kann man überall integrieren?

Schütteln und abklopfen geht immer, einfach zwischendurch und ohne Matte. Stopptanz ist ein Klassiker und macht den Kindern mit Asanas großen Spaß. Wunderbar sind auch Atemübungen wie „Pusteblume pusten“ oder den Atem in kalter Luft sichtbar machen. Oder einfach morgens auf dem Weg zum Kindergarten oder Schule kurz gemeinsam stehenbleiben, das Gesicht in die Sonne halten und ein paar bewusste Atemzüge nehmen. Und ein tolles Ritual für Kindergarten oder Schule ist „Kommando Kugelfisch“: Backen aufpusten und rund lassen – so werden die Kinder mal ganz leise, während die Übung gleichzeitig den Kiefer entspannt.

Welche Wirkungen siehst du bei Kindern, die regelmäßig Yoga machen?

Häufig mehr Konzentration und innere Ruhe, was mir auch viele Eltern aus ihren Beobachtungen zuhause zurückmelden. Die Kinder lernen gleichzeitig, Emotionen besser zu benennen und damit umzugehen. Wut kann man z. B. mit dem „Holzhacker“ ausdrücken. Und durch kurze Entspannungsphasen lernen Kinder Schritt für Schritt, Momente voller Ruhe auch länger auszuhalten.

Du bist Teil unseres Ausbildungsteams, unterrichtest unter anderem die Kinderyoga Weiterbildungen – und wir teilen die Vision, dass mehr Kinder mit Yoga in Berührung kommen. Was gibst du in deinen Ausbildungen besonders gerne weiter?

Entwicklungspsychologische Grundlagen, viele Asanas – und vor allem: Kinder folgen nicht dem, was wir vormachen, sondern unserer Energie. Mit Sprache, Begeisterung und Präsenz holen wir sie ab. Und wir vermitteln immer wieder: Du bist genau richtig, so wie du bist – ohne Vergleich, ohne Leistungsdruck.

Gespräch mit Harriet Tinnacher im Yogastern Podcast anhören

Wenn du das komplette Gespräch von Harriet und mir in voller Länge anhören möchtest, dann findest du unseren Austausch im Yogastern Podcast an, zum Beispiel hier auf YouTube:

Kinderyoga Weiterbildungen in der Yogastern Akademie

In der Yogastern Akademie lernst du alles rund um das Thema Kinderyoga –ob für deinen eigenen Yogaunterricht, für deine Arbeit in Kindergarten, Schule oder zuhause in der Familie. Unsere Weiterbildungen sind speziell auf die verschiedenen Altersgruppen der Kinder und Jugendlichen zugeschnitten, um den Anforderungen der einzelnen Entwicklungsschritte in der Kindheit gerecht zu werden:

Erfahre mehr über Harriet Tinnacher

Erfahre mehr über Harriet und mich sowie alle anderen Referentinnen der Ausbildungen und Weiterbildungen an der Yogastern Akademie auf dieser Seite zum Ausbildungsteam. Außerdem gibt Harriet regelmäßig am Wochenende Familienyoga-Workshop für unterschiedliche Altersstufen im Yogastern Studio Wiesbaden.

Erfahre mehr über weitere Angebote von Harriet auf ihrer Website https://www.hati-balance.de/ oder verbinde dich mit ihr auf Instagram.

Weitere Kinderyoga-Impulse

Kinderyoga zeigt auf so wundervolle Weise, dass es oft die kleinen Dinge sind, die den größten Unterschied machen: ein bewusstes Atmen, ein spielerisches Ritual, ein Moment der Ruhe oder ein gemeinsames Lachen bei einem fantasievollen Yoga-Spiel. Kreative Impulse rund um Kinderyoga, Familienyoga und einfache Übungen für Zuhause, Kita und Schule findest du in der Kategorie in meiner YouTube-Playlist „Kinderyoga“ oder in der Kategorie „Kinderyoga“ auf dem Yogastern-Blog, unter anderem diese:

Es geht nicht darum, perfekte Yogastunden zu gestalten, sondern Kindern Werkzeuge mitzugeben, mit denen sie sich selbst besser spüren, regulieren und stärken können. Für mehr Gelassenheit, mehr Selbstvertrauen und mehr Freude im Alltag.

Und jetzt interessiert mich sehr:

Welche kleinen Rituale oder Yoga-Momente haben bei Kindern in deinem Umfeld schon eine positive Wirkung gezeigt? Teile deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren – ich freue mich auf den Austausch mit dir.

Herzensgrüße,

Deine Stefanie

Weitere Themen: