Hormonyoga begleitet Frauen in einer Lebensphase, die von vielen Veränderungen geprägt ist. Während der Pubertät, in der Schwangerschaft und nach der Geburt verändert sich der Körper ebenso wie in den Jahren vor und während der Wechseljahre. Trotzdem fällt es vielen Frauen schwer, die Veränderungen dieser Zeit einzuordnen.

In diesem Gespräch mit Hormonyoga-Expertin Tanja Forcellini erfährst du, warum Hormonsystem und Nervensystem eng miteinander verbunden sind, welche Anzeichen auf hormonelle Veränderungen hinweisen können und wie Hormonyoga Frauen dabei unterstützt, diese Lebensphase bewusst zu begleiten.

Hormonyoga als ganzheitliche Begleitung in den Wechseljahren

Liebe Tanja, wie bist du persönlich zum Thema Hormonyoga gekommen?

Eigentlich durch meine eigene Geschichte. Ich habe viele Jahre Ashtanga-Yoga unterrichtet und mich später zur Schwangerschafts- und Rückbildungsyogalehrerin weitergebildet. Damals habe ich bereits erlebt, wie stark Yoga das Hormonsystem unterstützen kann.

Als ich selbst Anfang vierzig erste Veränderungen wahrgenommen habe, begann ich mich intensiver mit den Wechseljahren zu beschäftigen. Ohne mein Vorwissen hätte ich wahrscheinlich gar nicht erkannt, dass die ersten Anzeichen bereits mit hormonellen Veränderungen zusammenhängen könnten. Daraus entstand mein Wunsch, mehr über das Hormonsystem und später auch über Hormonyoga zu lernen.

Heute verbinde ich dieses Wissen mit meinen eigenen Erfahrungen und begleite Frauen dabei, ihre Symptome besser zu verstehen und Zusammenhänge zu erkennen. Oft entstehen schon durch dieses Verständnis wichtige Veränderungen im Alltag.

Viele Frauen spüren irgendwann, dass sich etwas verändert. Welche Anzeichen können auf hormonelle Veränderungen hindeuten?

Hormone beeinflussen sehr viele Bereiche unseres Lebens. Sie wirken auf den Schlaf, die Stimmung, die Konzentration, das Nervensystem und unser allgemeines Wohlbefinden.

Häufig verändert sich zunächst das Verhältnis von Progesteron und Östrogen. Erste Hinweise können Schlafstörungen sein. Später kommen manchmal Stimmungsschwankungen, Konzentrationsprobleme oder eine geringere Belastbarkeit hinzu.

Manche Frauen berichten von Migräne, Tinnitus, Gelenkschmerzen, Schwindel oder Hautveränderungen. Das Schwierige dabei ist, dass diese Beschwerden oft einzeln betrachtet werden. Man besucht unterschiedliche Fachpersonen und erhält verschiedene Erklärungen, ohne dass jemand den gemeinsamen Zusammenhang erkennt.

Genau deshalb ist es wichtig, das Hormonsystem als Teil des Gesamtbildes mitzudenken.

Viele verbinden Wechseljahre mit dem Alter von fünfzig Jahren oder älter. Kann das auch früher beginnen?

Ja, durchaus. Veränderungen können bereits ab Mitte dreißig auftreten. Gleichzeitig gibt es Frauen, die erst mit fünfzig erste Symptome bemerken.

Ich glaube, dass der persönliche Lebensstil dabei eine wichtige Rolle spielt. Stress, hoher Druck und dauerhaftes Funktionieren können das Hormonsystem zusätzlich belasten. Umgekehrt erleben manche Frauen diese Zeit deutlich ausgeglichener.

Mir ist wichtig, dass wir das Bild von den Wechseljahren verändern. Es geht nicht um eine Phase, in der Frauen zwangsläufig gereizt, erschöpft oder verbittert werden. Vielmehr kann es eine Zeit sein, in der wir lernen, bewusster auf uns selbst zu achten und unsere Bedürfnisse neu wahrzunehmen.

In der Yogastern Akademie unterrichtest du die Weiterbildung „Hormonyoga“. Was versteht man grundlegend unter Hormonyoga?

Für mich beginnt Hormonyoga nicht erst auf der Yogamatte. Natürlich gehören Körperübungen und Atemtechniken dazu. Genauso wichtig ist aber die Frage, wie wir unseren Alltag gestalten.

Viele Frauen befinden sich in einer Lebensphase, in der sie nicht mehr dieselben Bedürfnisse haben wie mit zwanzig oder dreißig Jahren. Deshalb geht es zunächst darum wahrzunehmen, was sich verändert.

Ich arbeite viel mit Achtsamkeit und der Wahrnehmung der eigenen inneren Wetterlage. Wie geht es mir heute? Was brauche ich gerade? Wo spüre ich Anspannung? Wo überschreite ich meine Grenzen?

Dazu kommen Atemübungen, Energielenkung und Yogaübungen, die verschiedene Bereiche des Hormonsystems unterstützen können. Entscheidend ist dabei die Verbindung aller Elemente.

Ich vergleiche das gerne mit einem Mobile. Alles hängt miteinander zusammen. Wenn sich ein Teil bewegt, verändert sich das gesamte System.

Du sprichst immer wieder das Nervensystem an. Welche Rolle spielt es denn bei hormonellen Veränderungen?

Eine sehr große Rolle. Hormonsystem und Nervensystem beeinflussen sich gegenseitig permanent.

Wenn wir unter dauerhaftem Stress stehen, schüttet der Körper vermehrt Stresshormone wie Cortisol aus. Das ist grundsätzlich etwas Sinnvolles, denn der Körper stellt dadurch Energie für Herausforderungen bereit.

Problematisch wird es, wenn dieser Zustand dauerhaft anhält. Viele Frauen leben heute in einem ständigen Multitasking-Modus. Es gibt kaum Pausen, die Atmung wird flacher und das Nervensystem bleibt in Alarmbereitschaft.

Gerade in einer hormonellen Umbruchphase kann das die Beschwerden verstärken. Deshalb reicht es nicht aus, ausschließlich die Hormone zu betrachten. Wir müssen immer auch das Nervensystem mit einbeziehen.

Wenn das Nervensystem ständig Gefahr signalisiert, fällt es dem Körper schwer, in Ruhe und Regulation zu kommen.

Was würdest du Frauen mitgeben, die merken, dass sie sich in einer solchen Veränderungsphase befinden?

Zunächst einmal Bewusstheit. Es geht darum wahrzunehmen, was der Körper kommuniziert.

Oft versuchen wir, genauso weiterzumachen wie bisher. Doch diese Lebensphase lädt uns dazu ein, unsere Bedürfnisse neu kennenzulernen und ernst zu nehmen.

Das bedeutet nicht, dass alles auf den Kopf gestellt werden muss. Häufig machen schon kleine Veränderungen einen Unterschied. Mehr Pausen, bewusstes Atmen, ein achtsamer Umgang mit den eigenen Ressourcen oder eine Anpassung des Lebensstils können das System spürbar entlasten.

Dort, wo Bewusstsein entsteht, wird Veränderung möglich.

Gespräch mit Tanja Forcellini im Yogastern Podcast hören

Falls du dir den Austausch mit Tanja noch einmal in voller Länge anhören möchtest, findest du die Folge des Yogastern Podcast zum Beispiel hier auf YouTube:

Hormonyoga Weiterbildung mit Tanja Forcellini in Wiesbaden

In der Yogastern Akademie in Wiesbaden unterrichtet Tanja die Weiterbildung „Hormonyoga“ für alle Interessierten. Eine Ausbildung als Yogalehrer oder Yogalehrerin ist keine Voraussetzung. Du erhältst ein fundiertes Verständnis für Hormonyoga und alle Werkzeuge, um Frauen sicher auf ihrem Weg zu mehr hormoneller Balance, Selbstwahrnehmung und Wohlbefinden zu begleiten. Alle  Informationen dazu findest du hier: https://yogastern-akademie.de/shop/hormonyoga-weiterbildung-25h/

Erfahre mehr über Tanja Forcellini und ihre Angebote auf ihrer Website www.yogatanja.com oder verbinde dich mit ihr auf Instagram.

Buchtipps zum Thema Hormonyoga

Auf dem Bild oben siehst du meine Lesetipps, um weiter ins Thema Hormonyoga einzutauchen. Du findest sie im Buchhandel vor Ort oder im Online-Handel. Die drei Titel im Überblick:

  • Hormone in Balance mit Yin Yoga: Beschwerden lindern bei Endometriose, PCOS, PMS, Hitzewallungen oder Libidoverlust von Stefanie Arend
  • Hormon-Balance ab 40: Die 5 Schlüssel zu Energie, Wohlbefinden und Lebensfreude in den Wechseljahren von Rabea Kieß
  • Das Gehirn in der Menopause: Wie wir die bisher unentdeckte Kraft der Wechseljahre für uns nutzen können von Dr. Lisa Mosconi

Inspirationen für mehr Entspannung & Achtsamkeit

Das Gespräch mit Tanja erinnert einmal mehr daran, dass bewusste Pausen wichtig sind. Falls du dazu Impulse rund um die Themen Entspannung und Achtsamkeit suchst, lade ich dich zum Stöbern im Yogastern Blog ein: Dort findest du Beiträge zu Atemübungen sowie zu Mediation & Achtsamkeit, darunter auch diese:

Hormonyoga als ganzheitliche Begleitung

Für viele Frauen kann Hormonyoga in den Wechseljahren eine Möglichkeit sein, die Veränderungen dieser Lebensphase bewusster wahrzunehmen und neue Wege im Umgang mit den eigenen Bedürfnissen zu finden.

Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Botschaft dieses Gesprächs: Die Wechseljahre sind kein Problem, das gelöst werden muss. Sie sind eine neue Lebensphase, die verstanden und bewusst gestaltet werden darf.

Ich würde mich freuen, wenn du einige Impulse dazu mitnehmen konntest.

Von Herzen,
Deine Stefanie


Titelbild: ©Tanja Forcellini

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