Stress ist allgegenwärtig. Stress regulieren mit Yoga ist deshalb auch im Yogastern Studio Wiesbaden ein wichtiges Thema. Viele Menschen kommen zu uns, weil sie sich gestresst fühlen, unter Verspannungen leiden oder sich mehr Ruhe und Ausgleich im Alltag wünschen. Zeitdruck, berufliche oder familiäre Anforderungen, Konflikte oder kreisende Gedanken können dazu führen, dass wir uns dauerhaft angespannt fühlen.
Doch was passiert eigentlich in unserem Körper, wenn wir gestresst sind? Und wie können Yoga, Meditation und bewusste Atmung uns dabei unterstützen, Stress besser zu regulieren? Darüber spreche ich in dieser Podcastfolge mit der Ärztin und Yoga-Therapeutin Ann-Sophie Briest.
Was passiert bei Stress eigentlich in unserem Körper?
Liebe Ann-Sophie, was passiert im Körper, wenn Stress von innen oder außen auftaucht?
Unsere physiologische Stressreaktion läuft im Grunde noch genauso ab wie vor Tausenden von Jahren. Nimmt unser System eine Gefahr wahr, bereitet sich der Körper auf Kampf oder Flucht vor. Der Sympathikus aktiviert uns, während der Parasympathikus vor allem für Entspannung und Regeneration wichtig ist.
Die erste Stressreaktion können wir nicht bewusst verhindern. Aber wir können beeinflussen, wie wir anschließend mit ihr umgehen und wie lange unser System in diesem Zustand bleibt.
Das können wir auch körperlich wahrnehmen: Das Herz schlägt schneller, der Atem wird flacher, die Muskeln spannen sich an. Kurzfristig ist das sinnvoll und kann uns sogar leistungsfähiger machen. Problematisch wird es vor allem, wenn wir aus dieser Anspannung nicht mehr herauskommen.
Bei Stress denken wir häufig zuerst an äußere Faktoren wie Lärm, Konflikte, Zeitdruck oder einen vollen Terminkalender. Aber auch Sorgen, Ängste, Zweifel, Perfektionismus oder Glaubenssätze können uns innerlich stressen.
Genau diese innere Ebene kann dazu führen, dass eine Stressreaktion anhält, obwohl der eigentliche Auslöser längst vorbei ist. Dann beginnt das Kopfkino und wir beschäftigen uns gedanklich immer weiter mit dem Erlebten.
Ein Experiment mit erfahrenen Meditierenden zeigt für mich sehr schön, was wir daran verändern können. Auch bei ihnen löste ein kurzer Schmerzreiz zunächst eine normale Stressreaktion aus. Ihr System fand danach aber vergleichsweise schnell wieder in die Ruhe zurück.
Meditation bedeutet also nicht, keinen Stress mehr zu empfinden. Aber wir können üben, präsenter mit dem zu sein, was gerade geschieht, und wieder zurück in die Regulation zu finden.
Genau das erlebe ich auch durch Yoga. Ich habe weiterhin Stress, kann ihn aber besser wahrnehmen und regulieren. Wenn ich beispielsweise merke, dass mein Atem flach wird, kann ich bewusst tiefer atmen, die Ausatmung verlängern, summen oder tönen und damit wieder mehr Ruhe in mein System bringen.
Stress zeigt sich häufig sehr körperlich. Die Schulter-Nacken-Partie wird fest, der Kiefer spannt sich an, der Rücken schmerzt oder der Atem wird schneller und flacher. Solche Beschwerden begegnen mir auch in meinen Yogakursen immer wieder.
Gerade die Atmung ist dabei interessant. Unter Stress atmen viele Menschen verstärkt in den Brustkorb. Für mehr Ruhe spielt dagegen eine freie Bauchatmung beziehungsweise die Bewegung des Zwerchfells eine wichtige Rolle.
Das Zwerchfell ist ein großer Muskel zwischen Brust- und Bauchraum. Mit der Einatmung senkt es sich, mit der Ausatmung hebt es sich wieder. Bei vielen Menschen ist diese freie Atembewegung durch chronische Anspannung eingeschränkt.
Über bewusste Atmung und bestimmte Asanas können wir daran arbeiten, wieder mehr Beweglichkeit in diese Bereiche zu bringen und Spannungen sanft zu lösen.
Warum ist die Atmung für dich gerade in Bezug auf Stress so wichtig?
Für mich ist sie eine wichtige Eintrittspforte. In meiner therapeutischen Arbeit frage ich Menschen zunächst, wie viel Zeit sie realistisch jeden Tag für eine Übung haben, ohne dass daraus ein weiterer Stressfaktor wird. Und sehr häufig arbeite ich dann mit der Atmung, weil wir auch in kurzer Zeit viel bewirken können.
Besonders interessant ist für mich die Ruheatmung – also wie wir atmen, wenn wir den Atem nicht bewusst steuern. Bei vielen Menschen ist sie zu schnell und zu flach.
Wenn regelmäßiges Üben dazu führt, dass jemand auch im Alltag unbewusst langsamer und gleichmäßiger atmet, haben wir einen wichtigen Schritt erreicht. Denn wir atmen ohnehin den ganzen Tag.
Ich sage deshalb manchmal: Der Atem ist der Schlüssel. Für mich macht gerade die Verbindung aus Bewegung, Atmung und Entspannung Yoga zu einem so wertvollen Weg im Umgang mit Stress. Stressprävention bedeutet für mich nicht, die ganze Woche unter Spannung zu stehen und am Sonntag einmal auszuruhen. Unser Körper braucht immer wieder kleine Pausen und Momente der Regeneration im Alltag.
Selbstregulation zu lernen, ist dabei ein zentraler Punkt. Stress wirkt auf viele Bereiche unseres Körpers. Deshalb kann es sehr wertvoll sein, mit der eigenen Stressregulation zu arbeiten – und die Atmung ist für mich dabei eine wichtige Eintrittspforte.
Das vollständige Gespräch im Yogastern Podcast hören
Wenn du noch tiefer in das Thema einsteigen möchtest, kannst du dir unser vollständiges Gespräch im Yogastern Podcast anhören. Die Podcastfolge findest du auch auf YouTube:
Eine kurze Atemübung: die Luftballonatmung
Eine einfache Möglichkeit, deine Bauchatmung bewusster wahrzunehmen, ist die Luftballonatmung. Lege dazu deine Hände auf deinen Bauch und atme bewusst zu deinen Händen. Stell dir vor, in deinem Beckenraum befindet sich ein roter Luftballon.
Mit deiner Einatmung dehnt er sich nach vorne, hinten, rechts und links aus. Vielleicht kannst du dir vorstellen, wie er sich auch sanft nach unten in Richtung Beckenboden ausbreitet.
Mit der Ausatmung wird der Luftballon wieder kleiner. Der Bauch bewegt sich nach innen und der Beckenboden kann sich sanft nach innen und oben bewegen.
Bleibe einige Atemzüge bei dieser Vorstellung und beobachte die Bewegung unter deinen Händen.
Schon wenige Minuten bewusste Atmung können einen Unterschied machen.
Atemtherapie-Weiterbildung mit Ann-Sophie Briest und Stefanie Weyrauch
Unsere gemeinsame Atemtherapie-Weiterbildung unterrichten wir in der Yogastern Akademie in Wiesbaden. Alle Informationen dazu findest du hier: https://yogastern-akademie.de/shop/atemtherapie-weiterbildung-50h/
Erfahre mehr über Ann-Sophie Briest und ihre Angebote auf ihrer Website www.yogamedizin-konstanz.de oder verbinde dich mit ihr auf Instagram.
Weitere Impulse für weniger Stress im Alltag
Auf dem Yogastern Blog findest du weitere Beiträge, die dir Ideen für weniger Stress im Alltag geben. Viel Spaß beim Stöbern:
- Atme deinen Stress weg mit dieser Atemübung
- 10 Tipps gegen Stress
- Atemübungen für mehr Energie im Alltag – Tanke Kraft durch bewusstes Atmen
Für mich bedeutet Stress regulieren mit Yoga dabei nicht, jede Form von Stress vermeiden zu wollen. Vielmehr können wir durch Bewegung, bewusste Atmung und Entspannung lernen, die Signale unseres Körpers früher wahrzunehmen und immer wieder zurück in die Ruhe zu finden.
Vielleicht beginnt das heute ganz einfach damit, für einen Moment innezuhalten und deinen nächsten Atemzug bewusst wahrzunehmen.
Herzensgrüße,
Deine Stefanie
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